Geschenk

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Bonus beim Anbieterwechsel

Geschenk mit vielen Fragezeichen

Neukundenbonus, Treuebonus, Wechselbonus – wenn es darum geht, neue Kunden mit Vergünstigungen anzulocken, sind Energieversorger sehr erfinderisch. Ist der Vertrag erst einmal unterschrieben, haben Verbraucher jedoch häufig Probleme, die Boni auch tatsächlich zu bekommen.

Das Problem: Meist sind die Bonuszahlungen an bestimmte Bedingungen geknüpft und werden erst dann verrechnet, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind. Oder es gibt von vornherein bestimmte Ausschlussklauseln, die festlegen, dass der Bonus unter bestimmten Umständen ohnehin nicht gezahlt wird. Wer sich für einen Tarif mit Bonuszahlungen entscheidet, sollte daher immer das Kleingedruckte im Auge behalten. Schon häufig haben sich vermeintlich günstige Tarife am Ende als ziemlich teuer herausgestellt, weil der fest einkalkulierte Bonus nicht ausgezahlt wurde.

Überblick: Darauf sollten Sie besonders achten

In unserem Überblick finden Sie die wichtigsten Einschränkungen, auf die Sie bei Angeboten mit Boni achten sollten. Zudem haben wir einige Strategien zusammengestellt, mit denen Billiganbieter in der Vergangenheit versucht haben, die Auszahlung von Boni zu umgehen:

pfeil_mehr  Vertragslaufzeiten

Eine der häufigsten Bedingungen für die Gewährung eines Neukunden- oder Treuebonus ist die Einschränkung, dass der Bonus erst nach einer zwölfmonatigen Vertragslaufzeit oder einer zwölfmonatigen Belieferung ausgezahlt wird. Wer jetzt davon ausgeht, den Bonus auf jeden Fall nach einem Jahr zu erhalten, auch wenn der Vertrag zum Ende des ersten Jahres gekündigt wird, irrt allerdings. Denn: Vertragsbeginn ist nicht gleich Lieferbeginn.

Die Lieferung mit Strom und Gas beginnt in der Regel erst einige Tage, nachdem der Vertrag zustande gekommen ist. Somit würde eine Kündigung zum Ende des ersten Vertragsjahres zwangsläufig bedeuten, dass die Belieferung keine zwölf Monate angedauert hat, sondern lediglich elf Monate und einige Tage. Die Folge: Ein Bonus, der an eine zwölfmonatige Vertragslaufzeit gekoppelt ist, würde ausgezahlt; eine Vergünstigung, die eine zwölfmonatige Belieferung voraussetzt, könnte vom Energieversorger dagegen verweigert werden. Eine genaue Bewertung solcher Regelungen ist allerdings immer nur im Einzelfall möglich, das heißt, bei einem Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Anbieters.

Kalender mit Notiz Kündigen

Kündigung zum Ende des ersten Vertragsjahres? Bei Bonuszahlungen leider häufig ein Problem.
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Eine weitere Schwierigkeit im Zusammenhang mit Bonuszahlungen, die erst nach einem Jahr gewährt werden, ist der Termin der Kündigung (also der Zeitpunkt, an dem ein Lieferant die Kündigung erhält). Einige Anbieter weisen in ihren AGB explizit darauf hin, dass der Bonus entfällt, wenn der Vertrag innerhalb des ersten Jahres gekündigt wird und dass dies auch Kündigungen zum Ende des ersten Vertragsjahres mit einschließe. Sprich: Will ein Kunde den Vertrag regulär nach einem Jahr beenden und hält dafür die übliche Kündigungsfrist von mehreren Wochen ein, bringt er sich zwangsläufig in eine Situation, die der Anbieter als Kündigung innerhalb des ersten Vertragsjahres auslegen kann.

Welche Folgen sich aus einer solchen Klausel ergeben und ob sie überhaupt zulässig ist, lässt sich juristisch unterschiedlich bewerten. Wichtig ist in jedem Fall, dass entsprechende Regelungen eindeutig formuliert sein müssen. So hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil aus dem Jahr 2013 noch einmal unterstrichen, dass die Formulierungen in den AGB von Energielieferverträgen im Zweifelsfall so ausgelegt werden müssen, wie sie ein durchschnittlicher Kunde verstehen würde. Im konkreten Fall konnte der Kunde aus Sicht der Richter nicht erkennen, dass eine reguläre Kündigung zum Ende des ersten Vertragsjahres dazu führte, dass ihm der Bonus verweigert wurde. Der entsprechende Betrag musste daher ausgezahlt werden.

Ob das Urteil auch auf andere Fälle übertragen werden kann, hängt immer vom Wortlaut der jeweiligen Klauseln ab. Verbraucher sollten bei einschränkenden Hinweisen zur Kündigung innerhalb des ersten Vertragsjahres jedoch lieber vorsichtig sein und erst einmal davon ausgehen, dass sie den Bonus nur dann erhalten, wenn sie ihren Vertrag über das erste Jahr hinaus verlängern. Dabei muss allerdings stets damit gerechnet werden, dass der Versorger im zweiten Jahr deutlich höhere Preise verlangt, um die extrem günstigen Konditionen aus dem ersten Jahr auszugleichen.

 

pfeil_mehr  Vorzeitige Beendigung des Vertrags

Ein weiteres Problem in Zusammenhang mit Boni, die eine Mindestvertragslaufzeit voraussetzen, ist die vorzeitige Beendigung von Verträgen. So gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen Kunden den Vertrag zwar fristgerecht zum Ende des ersten Jahres gekündigt haben, daraufhin jedoch eine Bestätigung erhielten, dass der Vertrag bereits einige Tage früher beendet werde. Auch hier die Folge: Die zwölfmonatige Mindestlaufzeit galt als nicht erfüllt, der Bonus wurde nicht ausgezahlt. Die Verbraucherzentrale NRW hat aus diesem Grund im Jahr 2014 die almado-Energy GmbH abgemahnt. Diese verpflichtete sich daraufhin, solche Geschäftspraktiken zukünftig zu unterlassen.

 

pfeil_mehr  Mindestverbrauch

Statt eines Geld-Bonus bieten manche Stromanbieter auch so genannte Frei-Kilowattstunden (Frei-kWh) an. Diese werden in der Jahresendabrechnung von den verbrauchten Kilowattstunden abgezogen, sodass sich der Rechnungsbetrag insgesamt verringert. Das Problem: Häufig sind die Frei-kWh an Mindestverbräuche gebunden. Bezieht ein Kunde weniger Strom, entfällt auch die Vergünstigung.

 

pfeil_mehr  Pakettarife

Vorsicht ist auch bei Boni in Zusammenhang mit Pakettarifen geboten. Pakettarife wirken auf den ersten Blick oft günstig, weil sie für eine bestimmte Abnahmemenge einen Pauschalpreis festlegen. Liegt der Verbrauch jedoch höher, wird dieser Aufschlag besonders teuer abgerechnet. Bei einem geringeren Verbrauch gibt es dagegen meist kein Geld zurück. Zudem entfällt häufig auch noch der Bonus, weil weniger als die vereinbarte Menge abgenommen wurde.

 

pfeil_mehr  Ausschlussgründe

Nutzen Sie Ihren Strom nicht nur als Privatperson, sondern betreiben nebenbei ein Gewerbe? Für manche Energieversorger wäre das schon ein Grund, Sie ausdrücklich von der Zahlung von Boni auszuschließen. Ein weiterer Ausschlussgrund ist häufig ein Wechsel zwischen Unternehmen, die demselben Konzern angehören. Wer bereits vorher Kunde eines Konzernunternehmens war, kann beispielsweise nicht von einem Neukunden-Bonus profitieren. Das ist zwar grundsätzlich nachvollziehbar, hat aus Verbrauchersicht allerdings ebenfalls einen großen Haken: Aufgrund der komplizierten Firmenstrukturen zahlreichen Billiganbieter ist es für Kunden häufig nur schwer zu erkennen, welche Tochterfirmen und Marken zu ein und demselben Konzern gehören.

Tipps der Verbraucherzentrale

  • Lesen Sie sich vor einem Vertragsabschluss immer genau durch, unter welchen Bedingungen ein Bonus gezahlt wird und welche Ausschlussklauseln es gibt. Angebote, die nur durch Boni günstig erscheinen und ansonsten einen deutlich höheren Preis aufweisen, sollten Sie besonders kritisch prüfen.
  • Falls Sie einen Vertrag schließen, der im Internet mit Bonus beworben wird, sollten Sie die entsprechenden Internetseiten ausdrucken oder auf ihrem PC speichern. Nur so können Sie im Nachhinein nachweisen, welche Bedingungen der Anbieter bei Vertragsschluss genannt hat.
  • Wenn Sie die Verrechnung eines Bonus erwarten, sollten Sie Ihre Jahresabrechnung besonders genau überprüfen. In der Vergangenheit gab es bereits Fälle, in denen Anbieter durch intransparente Rechnungen vorgegaukelt haben, dass ein Bonus gewährt wurde, obwohl dies de facto nicht der Fall war.
  • Ihr Anbieter weigert sich, einen Bonus zu zahlen, obwohl Sie alle vertraglichen Bedingungen erfüllen? Weitere Infos und Hilfestellungen bekommen Sie in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Niedersachsen, am Verbrauchertelefon (Thema Energierecht) oder in der Online-Beratung.

Stand: 10. November 2015

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