Tür

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Haustürgeschäfte

Unterschrift zwischen Tür und Angel

Was bei Zeitschriftenabos und Versicherungen schon lange verbreitet ist, erleben Verbraucher seit einigen Jahren auch vermehrt bei Verträgen für Strom und Gas: Vertreter, die unerwartet an der eigenen Haustür auftauchen und unbedingt etwas verkaufen möchten. Dabei werden den Kunden mitunter nicht nur ungünstige Verträge angedreht, sondern auch haarsträubende Geschichten aufgetischt.

Haustürgeschäfte sind grundsätzlich nicht illegal. Das Problem ist jedoch, dass die Kunden überrumpelt werden und es so häufig zu einem Vertragsabschluss kommt, den sie später bereuen. Gerade bei komplexen Produkten wie den Tarifen für Strom und Gas sollten Angebote stets gründlich überprüft und Alternativen ausgelotet werden. Wer stattdessen einfach der Empfehlung eines Fremden vertraut, geht das Risiko ein, am Ende einen sehr ungünstigen Vertrag zu unterschreiben.

Vermittler geben sich oft als Vertreter von Stadtwerken aus

Hinzu kommt, dass die Anbieter von Haustürgeschäften in der Vergangenheit immer wieder durch zweifelhafte Methoden aufgefallen sind. So geben sich externe Vermittler beispielsweise häufig als Vertreter der lokalen Stadtwerke aus, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Oder sie behaupten, eine unabhängige Energie- bzw. Verbraucherberatung anzubieten, um den Kunden beim Wechsel in einen günstigeren Tarif zu helfen. Mitunter wird durch erfundene Geschichten auch gezielt Druck aufgebaut, etwa wenn es heißt, dass ein komplettes Mietshaus auf einen neuen Anbieter umgestellt würde und man den entsprechenden Vertrag schnell unterschreiben müsse, damit der Strom nicht abgestellt wird.

Im Extremfall kann es sogar so weit kommen, dass den Kunden ein neuer Vertrag untergeschoben wird, ohne dass sie dies bemerken. So gab es in der Vergangenheit beispielsweise Fälle, bei denen die Besucher an der Haustür vorgaben, mit der Unterschrift würde nur noch einmal die kürzlich vorgenommene Zählerablesung bestätigt. Oder es wurde ein anderes Dokument zur Unterschrift vorgelegt, die Unterschrift drückte sich jedoch auf ein zweites Blatt durch. Wer Opfer solcher Machenschaften geworden ist, sollte sich unbedingt rechtlich beraten lassen.

Hintergrund: Überrumpelt wird an vielen Orten

Der Begriff Haustürgeschäft wird häufig stellvertretend für eine ganze Reihe von Geschäften benutzt, die außerhalb geschlossener Geschäftsräume getätigt werden. Weitere Beispiele sind etwa Verträgen, die an Werbeständen in Fußgängerzonen oder Bahnhöfen, in einer Privatwohnung oder auf Kaffeefahrten zustande kommen. Auch in diesen Fällen haben Verbraucher ein 14-tägiges Widerrufsrecht.

Ein weiteres Problem von Haustürgeschäften ist die Unsicherheit darüber, mit wem man es eigentlich konkret zu tun hat: Häufig kooperieren Energieversorger mit externen Maklern, die für die Vermittlung von Verträgen Provisionen erhalten. Wie eng diese Kooperation ist und ob sie auch eine Qualitätskontrolle mit einschließt oder ob die Dienstleister bei der Wahl ihrer Methoden freie Hand haben, bleibt vielfach unklar. Externe Makler haben häufig Tarife verschiedener Versorger im Angebot. Demgegenüber stehen Vertreter, die ausschließlich für ein bestimmtes Unternehmen werben und zu deren festen Mitarbeitern zählen.

Verträge können 14 Tage widerrufen werden

Die gute Nachricht für alle, die übereilt einen Vertrag abgeschlossen haben: Bei Haustürgeschäften haben Verbraucher ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Der Vertrag kann also innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen widerrufen werden, am besten per Einschreiben mit Rückschein. Einen Musterbrief dazu finden Sie hier. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

Die Frist beginnt grundsätzlich mit Vertragsschluss, vorausgesetzt, der Anbieter hat den Kunden ordnungsgemäß über sein Widerrufsrecht informiert. Im Fall von Haustürgeschäften muss dies in Textform erfolgen. Wird der Kunde nicht ordnungsgemäß informiert, beginnt die Frist erst dann, wenn dies nachgeholt wurde; nach spätestens einem Jahr und 14 Tagen erlischt das Widerrufsrecht allerdings komplett.

Tipps der Verbraucherzentrale

  • Fragen Sie Verkäufer an der Haustür immer nach ihrem Dienstausweis. Handelt es sich wirklich um einen Mitarbeiter des örtlichen Stadtwerks, sollte er diesen ohne Probleme vorzeigen können.
  • Geben Sie keine persönlichen Daten preis und gewähren Sie Vertretern keinen Zugang zu dem Raum mit Strom- oder Gaszähler. Sobald ein Unternehmen persönliche Daten wie Name, Kunden- oder Zählernummer kennt, besteht die Gefahr, dass es Sie ohne Ihre Zustimmung beim bisherigen Versorger abmeldet. Damit ist zwar noch kein neuer Vertrag zustande gekommen, aber die Abmeldung beim alten Anbieter kann Ihnen bereits viel Ärger und Umstände bereiten. In der Vergangenheit hat es solche Fälle bereits gegeben.
  • Und noch ein Hinweis in eigener Sache: Die Verbraucherzentrale taucht nicht ungefragt vor Ihrer Wohnung auf und versucht, Sie von einem Anbieterwechsel zu überzeugen. Sollten sich Verkäufer an der Haustür als Vertreter der Verbraucherzentrale ausgeben, sollten Sie skeptisch sein und uns am besten so schnell wie möglich informieren, damit wir gegen diese Geschäftspraktiken vorgehen und andere Verbraucher warnen können.
  • Sie haben einen Vertrag an der Haustür unterschrieben und Probleme beim Widerruf? Weitere Infos und Hilfestellungen bekommen Sie in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Niedersachsen, am Verbrauchertelefon (Thema Energierecht) oder in der Online-Beratung.

Stand: 2. Juli 2015

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