Abrechnungen

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Fehler in Rechnungen

Auf diese Daten sollten Sie besonders achten

Befragt man Verbraucher zu ihren Erfahrungen mit Strom- und Gasanbietern, wird ein Problem besonders häufig angesprochen: das Thema Abrechnungen. Mal lassen die Übersichten viel zu lange auf sich warten, mal enthalten sie falsche Angaben, in wieder anderen Fällen stoßen die Kunden gar auf Rechenfehler.

Grundsätzlich sind Energieversorger verpflichtet, den Verbrauch von Strom und Gas regelmäßig abzurechnen. In der Regel geschieht dies jährlich, möglich sind jedoch auch andere Abstände, beispielsweise monatlich oder quartalsweise. Fest steht, dass der Abrechnungszeitraum zwölf Monate nicht wesentlich überschreiten darf. Ebenfalls gesetzlich geregelt ist die Tatsache, dass der Kunde die Rechnung spätestens sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums erhalten muss.

Manchmal kommt die Rechnung erst nach Jahren

Leider kommt es dabei in der Praxis immer wieder zu Problemen. Mitunter müssen Verbraucher Monate oder sogar Jahre auf ihre Abrechnungen warten. Dies ist gleich aus zweierlei Gründen problematisch: Zum einen soll durch eine zeitnahe Rechnungsstellung Klarheit und Planungssicherheit geschaffen werden, damit die Kunden nicht noch Jahre später mit Nachzahlungen rechnen müssen. Zum anderen ist der Verbrauch des zurückliegenden Jahres zugleich die Grundlage für die Abschlagszahlungen des Folgejahres. Hat ein Kunde beispielsweise zuletzt deutlich weniger Strom verbraucht, als vom Energieversorger angenommen, müssten seine Abschläge für das kommende Jahr eigentlich gesenkt werden. Solange keine Abrechnung vorliegt, unterbleibt diese Anpassung jedoch.

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Juristisch umstritten ist die Frage, ob und wann bei deutlich verspäteten Abrechnungen eine Verjährung einsetzt. Derzeit gilt im Grundsatz, dass der Verbraucher das Risiko verspäteter Abrechnungen trägt und somit auch noch Jahre später zahlen muss. Da die Beurteilung der Rechtslage jedoch immer von den Umständen des Einzelfalls abhängt, sollten sich Verbraucher, die sich hohen Nachforderungen gegenübersehen, unbedingt rechtlich beraten lassen.

Überblick: Die häufigsten Fehler bei Abrechnungen

Neben dem Zeitpunkt der Rechnungsstellung sorgt auch der Inhalt von Strom- und Gasrechnungen immer wieder für Ärger. Da die Dokumente viele verschiedene Daten enthalten, gibt es auch eine ganze Reihe von möglichen Fehlerquellen. In unserem Überblick haben wir die häufigsten Probleme zusammengefasst.

Fehlerquelle 1: Falscher Adressat

So banal es klingt: Das erste, was ein Verbraucher nach Erhalt einer Strom- oder Gasabrechnung überprüfen sollte, ist die Frage, ob er auch wirklich der richtige Empfänger ist. Gerade in Mehrfamilienhäusern kommt es häufiger zu Verwechslungen, sowohl in Bezug auf die Kunden selbst als auch auf ihre Zähler. Die in der Rechnung angegebene Kunden- und Zählernummern sollten daher immer überprüft und mit dem Liefervertrag verglichen werden.

Fehlerquelle 2: Falsche Preise oder Abrechnungszeiträume

Auch bei den angegebenen Zeiträumen, Tarifen und Preisen schleichen sich mitunter Fehler ein. Der Preis setzt sich in der Regel aus einem festen Grundpreis und verbrauchsabhängigen Arbeitspreis zusammen. Weicht einer dieser Bestandteile von den eigentlich vereinbarten Konditionen ab oder wird für einen falschen Zeitraum in Rechnung gestellt, beeinträchtigt dies natürlich das Gesamtergebnis der Abrechnung.

Kommt es im Laufe des Abrechnungszeitraums zu Preiserhöhungen oder -senkungen, müssen diese ebenfalls berücksichtigt werden.

Fehlerquelle 3: Falsche Berechnung

Da Abrechnungen meist elektronisch erstellt werden, kommt es eher selten zu Rechenfehlern. Ganz auszuschließen sind sie dennoch nicht. Für die Überprüfung gilt folgende Faustformel: Zunächst wird der Arbeitspreis mit dem Verbrauch (Angaben in Kilowattstunden (kWh)) multipliziert, anschließend der Grundpreis addiert und zu dieser Summe zum Schluss noch die Mehrwertsteuer hinzugerechnet. Nach Abzug der bereits geleisteten Abschlagszahlungen und möglicher Boni ergibt sich dann der endgültige Rechnungsbetrag.

Fehlerquelle 4: Falsche Zählerstände

Eine der häufigsten Ursachen für fehlerhafte Rechnungen sind falsche Angaben zum Stand des Strom- oder Gaszählers. In jeder Rechnung werden in der Regel zwei Zählerstände genannt: der Wert zu Beginn des Abrechnungszeitraums und der Stand an dessen Ende. Aus der Differenz ergibt sich dann der zwischenzeitliche Verbrauch. Dieser kann jedoch nur dann richtig berechnet werden, wenn die Zählerstände korrekt übermittelt wurden und es bei der Ablesung nicht zu einem Fehler gekommen ist.

Wer für die Ablesung zuständig ist, ist von Fall zu Fall unterschiedlich: Mal übernimmt dies der Netz- oder Messstellenbetreiber, mal der Lieferant oder der Verbraucher selbst. Wenn es dem Energieversorger nicht möglich ist, den Zählerstand in Erfahrung zu bringen, beispielsweise weil das Gerät in einem nicht zugänglichen Teil des Gebäudes angebracht ist oder die vereinbarte Selbst-Ablesung unterbleibt, ist er berechtigt, den Verbrauch stattdessen zu schätzen. Solche Schätzwerte sind für den Verbraucher jedoch meist nachteilig und daher nur unter den beschriebenen Voraussetzungen als Rechnungsgrundlage erlaubt. Eine Schätzung ohne vorherigen Versuch, den Zähler regulär abzulesen bzw. ablesen zu lassen, ist nicht zulässig.

Bei ungewöhnlich hohen Zählerständen haben Kunden häufig den Verdacht, dass der Strom- oder Gaszähler nicht richtig funktioniert. Auch dieses Problem ist in der Vergangenheit durchaus aufgetreten, jedoch eher selten, da die Geräte regelmäßig stichprobenartig überprüft werden. Auf Verlangen des Kunden kann eine Sonderprüfung veranlasst werden. Wird dabei jedoch kein Fehler gefunden, muss der Verbraucher die Kosten von bis zu 200 Euro selbst tragen.

Fehlerquelle 5: Abschläge wurden nicht richtig erfasst

Auch hier gilt es genau hinzuschauen: Wurden wirklich alle Abschlagszahlungen in voller Höhe in der Abrechnung berücksichtigt oder ist womöglich eine der monatlichen Zahlungen nicht (komplett) aufgeführt? Eine Übersicht über die genauen Abschlagstermine findet sich in der vorausgegangenen Abrechnung. Mehr Informationen zu Problemen mit Abschlagszahlungen gibt es hier.

Fehlerquelle 6: Boni nicht berücksichtigt

Eine weitere Summe, die vom Rechnungsbetrag abgezogen werden sollte, aber in der Praxis leider nicht immer wird, sind vertraglich vereinbarte Bonuszahlungen. Dies kann zum einen auf einen Fehler bei der Rechnungsstellung hindeuten, zum anderen aber auch damit zusammenhängen, dass einige Anbieter gezielt versuchen, die versprochenen Boni zu umgehen. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Tipps der Verbraucherzentrale

  • Begleichen Sie Strom- oder Gasrechnung erst, wenn sie diese genau überprüft haben. Fehler sind gar nicht so selten, werden beim flüchtigen Lesen aber schnell übersehen. Nach Erhalt der Rechnung haben Sie mindestens zwei Wochen Zeit, um den Betrag zu bezahlen.
  • Notieren Sie in regelmäßigen Abständen Ihre Zählerstände, insbesondere nach einem Umzug oder Anbieterwechsel bzw. am Ende des Abrechnungszeitraumes. Sollte Ihr Strom- oder Gaszähler tatsächlich einmal defekt sein, ließe sich dieser Verdacht durch die regelmäßig ermittelten Daten schnell erhärten.
  • Wenn Sie in Ihrer Abrechnung einen Fehler entdecken, sollten Sie den Energieversorger schriftlich darauf hinweisen und eine Korrektur verlangen, am besten per Einschreiben. Reagiert der Lieferant nicht oder lehnt eine Korrektur ab, kommt eine eigenmächtige Rechnungskürzung in Frage. Diese sollte jedoch erst nach einer rechtlichen Beratung erfolgen, da die Handlungsspielräume je nach Art des Fehlers variieren.
  • Nicht immer muss tatsächlich ein Fehler vorliegen. Bedenken Sie bei Ihrer Prüfung auch, dass es für einen gestiegenen Energieverbrauch häufig ganz einfache Erklärungen gibt wie beispielsweise die Anschaffung neuer Elektrogeräte und die Vergrößerung des Haushalts um ein oder mehrere Personen.
  • Wenn Sie schon länger auf eine Abrechnung warten, diese aber noch nicht erhalten haben, sollten Sie sich ebenfalls schriftlich an Ihren Energieversorger wenden. Einen Musterbrief dazu finden Sie hier.
  • Ihr Energieversorger weigert sich, eine fehlerhafte Abrechnung zu korrigieren? Weitere Infos und Hilfestellungen bekommen Sie in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Niedersachsen, am Verbrauchertelefon (Thema Energierecht) oder in der Online-Beratung.

Stand: 5. Juni 2015

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