Telefon

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Telefonwerbung für Strom und Gas

Bei Anruf Anbieterwechsel

Obwohl unerlaubte Telefonwerbung seit Jahren verboten ist, klagen immer noch viele Verbraucher über die unerwünschten Anrufe. Auch Lieferverträge für Strom und Gas gehören zu den Produkten, die häufig am Telefon beworben werden. Besonders tückisch dabei: Auch wenn der Kunde einem Wechsel des Energieversorgers überhaupt nicht zugestimmt hat, wird ihm mitunter ein neuer Vertrag untergeschoben.

Fast jeder kennt das: Das Telefon klingelt, eine freundliche Stimme meldet sich und schwärmt minutenlang von einem ganz besonderen Angebot, während im Hintergrund das typische Stimmengewirr eines Callcenters zu hören ist. Eigentlich müssten solche Erlebnisse eher die Ausnahme als die Regel sein: Seit 2009 ist Telefonwerbung ohne vorherige Einwilligung verboten. Unternehmen dürfen Verbraucher nur dann telefonisch über Produkte informieren, wenn diese ausdrücklich zugestimmt haben. Die Einwilligung muss bereits vor dem Telefonat vorliegen und darf nicht erst zu Beginn des Gesprächs eingeholt werden.

Verbraucher werden am Telefon überrumpelt

Trotz dieser klaren gesetzlichen Regelungen gehen bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen immer noch regelmäßig Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung ein. Das Problem an den überraschenden Anrufen: Häufig sind die Verbraucher am Telefon derart überrumpelt, dass sie sich zu einem mündlichen Vertragsabschluss überreden lassen, den sie später bereuen. Zudem verstehen die Betroffenen oftmals gar nicht richtig, worauf sie sich einlassen, weil die Anrufer extrem schnell und unverständlich sprechen oder durch wiederholtes Anrufen die Geduld und Aufmerksamkeit der Kunden strapazieren. Wer gar nicht erst in solche Situationen kommen möchte, sollte sich daher lieber nicht auf lange Diskussionen einlassen, sondern das Gespräch schnell beenden.

Allerdings ist es häufig gar nicht so einfach, das eigentliche Ziel des Anrufs schon zu Beginn des Gesprächs zu erkennen. Im Fall von Strom- und Gaslieferverträgen wählen die Anrufer beispielsweise oft eine sehr allgemeine Einstiegfrage und erkundigen sich zunächst, ob der Verbraucher seine Energiekosten senken wolle. Manchmal geben sich die Anrufer auch als Energieberater oder Verbraucherschützer aus und bieten an, die letzte Stromrechnung zu prüfen. Oder aber es wird behauptet, dass eine Kooperation mit dem örtlichen Grundversorger bestehe (dem womöglich tatsächlich eine Einwilligung für die Anrufe vorliegt, weil die Angerufenen zu seinen Kunden zählen) und man dringend über eine anstehende Preiserhöhung reden müsse. Erst später stellt sich dann heraus, dass die Verbraucher eigentlich zu einem Wechsel des Energieversorgers überredet werden sollen.

Schicken Sie uns Ihre Beschwerden!

Wenn Sie von unerlaubten Werbeanrufen betroffen sind, können Sie die Verbraucherzentrale Niedersachsen gern darüber informieren. Sollten sich die Beschwerden häufen, werden wir ggf. rechtlich gegen die Anbieter vorgehen. Für Hinweise rund um das Thema Energie nutzen Sie einfach das Beschwerdeformular auf dieser Website. Werbeanrufe mit anderen Inhalten können Sie per E-Mail an info@vzniedersachsen.de melden.

Wichtig: Nur wenn ein Anruf gut dokumentiert ist, kann man auch dagegen vorgehen. Notieren Sie sich daher die wichtigsten Daten wie Telefonnummer, Datum, Uhrzeit, Grund des Anrufs sowie den Namen des Unternehmens und des jeweiligen Mitarbeiters.

Manchmal ist es auch tatsächlich der bisherige Energielieferant, der sich telefonisch bei seinen Kunden meldet – was allerdings nicht heißt, dass es nicht ebenfalls zu problematischen Vertragsabschlüssen kommen kann: So haben Verbraucher beispielsweise von Fällen berichtet, in denen ihnen am Telefon zu einem vermeintlich günstigeren Stromtarif geraten wurde, dabei jedoch falsche Angaben zu den bisherigen Konditionen gemacht wurden. Am Ende hatten die Kunden nicht nur einen neuen Vertrag mit langer Laufzeit abgeschlossen, sondern mussten auch mehr zahlen als zuvor.

Plötzlich liegt der Vertrag im Briefkasten

Ein weiteres Problem sind Anrufe, bei denen versucht wird, den Kunden einen Vertrag unterzuschieben. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Fälle, in denen Verbrauchern im Anschluss an das Telefonat einfach ein neuer Vertrag zugeschickt wurde, obwohl davon während des Gesprächs überhaupt nicht die Rede war. Darauf angesprochen haben die Anbieter mitunter kuriose Erklärungen präsentiert, etwa dass die Beantwortung der Einstiegsfrage „Wollen Sie Ihre Energiekosten senken?“ bereits als Zustimmung zu einem Anbieterwechsel zu werten und damit ein Vertrag zustande gekommen sei.

Liegt der neue Vertrag erst einmal im Briefkasten, sollten die Verbraucher schnell reagieren. Grundsätzlich gilt: Wer während eines Vertragsabschlusses getäuscht wurde oder einen Vertrag einfach untergeschoben bekommen hat, muss dies natürlich nicht einfach hinnehmen, sondern kann sich juristisch zur Wehr setzen. Im Einzelfall kann es für die Betroffenen jedoch schwierig werden, die Machenschaften des Anbieters und den tatsächlichen Verlauf des Telefonats nachzuweisen. Auch die Tatsache, dass ein Werbeanruf unerlaubt war, weil zuvor keine Einwilligung vorlag, bedeutet nicht automatisch, dass der Vertrag nichtig ist.

Verträge können 14 Tage widerrufen werden

Der einfachste Weg, den unliebsamen Vertrag wieder loszuwerden, ist daher, diesen einfach zu widerrufen. Bei so genannten Fernabsatzgeschäften, das heißt Verträgen, die per Post, Telefon oder über das Internet geschlossen wurden, haben Verbraucher grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Die Frist beginnt ab dem Tag zu laufen, an dem der Verbraucher ordnungsgemäß über sein Widerrufsrecht informiert wurde. Ob dies bereits während des Telefonats geschehen kann oder ob der Kunde die Widerrufsbelehrung noch einmal in Textform erhalten muss, ist juristisch noch nicht abschließend geklärt. Um auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt es sich daher, vorsichtshalber den Tag des Telefonats als Fristbeginn anzusehen. Einen Musterbrief für den Widerruf eines Vertrages finden Sie hier.

Sollte Ihnen der Vertrag ohne Ihre Zustimmung untergeschoben worden sein, sollten Sie in Ihrem Schreiben zunächst darauf hinweisen, dass kein Vertrag besteht. Anschließend erklären Sie vorsorglich den Widerruf und die Anfechtung des Vertrages.

Tipps der Verbraucherzentrale

  • Seien Sie zurückhaltend bei der Weitergabe Ihrer Telefonnummer. Nennen Sie die Nummer nur dann, wenn es für die Vertragsabwicklung nötig ist. Zudem sollten Sie vor dem Abschluss eines neuen Vertrages stets prüfen, ob im Kleingedruckten möglicherweise eine Einwilligung für Werbeanrufe versteckt ist.
  • Falls Sie Telefonwerbung unbeabsichtigt zugestimmt haben: Widerrufen Sie diese Einwilligung (am besten schriftlich) und fordern Sie das Unternehmen auf, die gespeicherten Daten zu löschen.
  • Geben Sie am Telefon keine persönlichen Daten wie beispielsweise die Nummer Ihres Stromzählers preis. Sobald ein Unternehmen Angaben wie Name, Kunden- oder Zählernummer kennt, besteht die Gefahr, dass es Sie ohne Ihre Zustimmung beim bisherigen Versorger abmeldet.
  • Ihnen ist am Telefon ein Vertrag untergeschoben worden und Sie haben Probleme beim Widerruf? Weitere Infos und Hilfestellungen bekommen Sie in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Niedersachsen, am Verbrauchertelefon (Thema Energierecht) oder in der Online-Beratung.

Stand: 13. August 2015

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