Puzzle mit Lücken

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Energierechnungen sind oft unvollständig

Strom- und Gaskunden erhalten offenbar häufig Rechnungen, die nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Das zeigt eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Niedersachsen im Rahmen des Projekts Marktwächter Energie. Für die Untersuchung wertete der Marktwächter 30 aktuelle Strom- und Gasrechnungen aus. Ergebnis: Nicht eine einzige Rechnung enthielt sämtliche Informationen, die laut Gesetz angegeben werden müssen. Im Schnitt fehlten den Dokumenten sogar zwischen drei und vier Pflichtangaben. Hinzu kamen zahlreichen Fälle, bei denen die Informationen zwar grundsätzlich erwähnt wurden, jedoch so lückenhaft dargestellt waren, dass sie den Vorschriften ebenfalls nicht gerecht wurden.

Die rechtlichen Vorgaben für Energierechnungen sind in den vergangenen Jahren immer wieder verschärft worden. Inzwischen müssen Energieversorger in ihren Unterlagen mehr als 25 Pflichtangaben nennen, darunter neben den konkreten Berechnungsgrundlagen auch ganz allgemeine Angaben wie beispielsweise die Vertragslaufzeit und den nächstmöglichen Kündigungstermin. Ziel des Gesetzgebers war es, auf diese Weise die Rechte der Verbraucher zu stärken: Strom- und Gaskunden sollen in ihren Rechnungen alle Angaben finden, die nötig sind, um ihren Energieverbrauch und ihre aktuelle Vertragssituation zu beurteilen. Dies soll ihnen beispielsweise den Anbieterwechsel erleichtern.

Wie die Untersuchung des Marktwächters nun zeigt, werden viele dieser Vorgaben jedoch nur unzureichend umgesetzt: Von den untersuchten 30 Rechnungen war nicht eine einzige vollständig. In 22 Fällen fehlten in den Unterlagen zwischen zwei und vier Pflichtangaben, in sechs Dokumenten sogar zwischen fünf und sieben. Absoluter Spitzenreiter bei den ausbleibenden Informationen war der Anbieter Yello Strom (zehn fehlende Angaben), den der Marktwächter Energie noch während der laufenden Untersuchung erfolgreich abgemahnt hat.

Einige Informationen fehlen komplett, andere sind unvollständig

Die Angabe, die in den untersuchten Rechnungen am häufigsten fehlte, war der Name des Messstellenbetreibers. Dies ist offenbar darauf zurückzuführen, dass die entsprechende Vorgabe erst im vergangenen Jahr ins Gesetz aufgenommen wurde. Ebenfalls häufig unerwähnt blieben die Vertragslaufzeit, der nächstmögliche Kündigungstermin sowie Details zum Schlichtungsverfahren, das Kunden bei Konflikten mit ihrem Lieferanten beantragen können.

Darüber hinaus fanden sich bei der Untersuchung auch zahlreiche Informationen, die zwar grundsätzlich genannt wurden, jedoch extrem verkürzt waren. Sehr häufig war dies beispielsweise bei einer Grafik der Fall, die Kunden die Möglichkeit geben soll, ihren eigenen Energieverbrauch mit dem Verbrauch von anderen Haushalten zu vergleichen. Aufgrund von fehlenden Werten war eine solche Gegenüberstellung jedoch in vielen Fällen gar nicht möglich. Damit lief gerade jene rechtliche Vorgabe ins Leere, die vor einigen Jahren gezielt ins Gesetz aufgenommen worden war, um Kunden zum Energiesparen zu animieren und somit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Unzureichende Angaben erschweren Kontrolle

Eine weitere Pflichtangabe, die aus Sicht des Marktwächters Energie für Kunden von besonderer Bedeutung ist, jedoch in den untersuchten Rechnungen oftmals unzureichend umgesetzt wurde, ist die Erläuterung von Fachbegriffen. Laut Gesetz sind Energieversorger verpflichtet, die maßgeblichen Berechnungsfaktoren zu definieren. Nutzt ein Energieversorger bei der Berechnung der entstandenen Kosten also Fachwörter, muss er dafür Erklärungen anbieten, beispielsweise in Form eines Glossars. In mehr als der Hälfte der untersuchten Rechnungen fehlten solche Erläuterungen jedoch. Für betroffene Kunden wird es damit schwieriger, die einzelnen Elemente der Rechnung nachzuvollziehen und zu überprüfen.

Gerade diese Kontrolle ist aus Sicht des Marktwächters Energie jedoch von großer Bedeutung: Wie die bei der Verbraucherzentrale eingehenden Beschwerden zeigen, sind Fehler in Rechnungen häufiger, als viele Kunden vermuten. Der Marktwächter rät daher allen Verbrauchern, die angegebene Forderung nie ungeprüft zu begleichen, sondern die Angaben stets zu hinterfragen und mit anderen Unterlagen zu vergleichen.

Das folgende Erklärvideo zeigt, wie man sich einen schnellen Überblick über die wichtigsten Zahlen verschaffen kann:

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Ein Hintergrundpapier mit weiteren Ergebnissen der Auswertung finden Sie hier.

Stand: 11. August 2017

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