Gasflammen

Foto: by-studio / Fotolia.com

Gemischte Bilanz bei der Gasumstellung

In Tausenden Haushalten in Niedersachsen wird aktuell die Gasversorgung umgestellt. Damit Heizungen, Herde und andere Geräte danach weiter funktionieren, muss jedes Gerät von einem Monteur überprüft und ein Großteil der Anlagen umgerüstet werden. Bis dies gelingt, kann es jedoch ein weiter Weg sein: So berichteten Kunden bei einer aktuellen Studie der Verbraucherzentrale Niedersachsen von zum Teil erheblichen Verzögerungen, Kommunikationsproblemen oder technischen Schwierigkeiten. Aus Sicht der Verbraucherzentrale gibt es daher noch einigen Verbesserungsbedarf, bevor die Umstellung in den nächsten Jahren ihre Hochphase erreicht.

Insgesamt befragte die Verbraucherzentrale im Rahmen ihrer Untersuchung 180 Personen. „Während einige Kunden mit den Abläufen sehr zufrieden waren, übten andere deutliche Kritik“, berichtet Christina Peitz, Energieexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Dies zeigt, dass die Unternehmen bei der Umstellung bislang offenbar recht unterschiedlich vorgehen.“

Unterschiedliche Zuständigkeiten können zu Problemen führen

Zentraler Ansprechpartner für die Umstellung vor Ort ist immer der Betreiber des örtlichen Gasnetzes. Oft beauftragt er weitere Unternehmen, ihn bei den Arbeiten zu unterstützen. „Aus Kundensicht können diese unterschiedlichen Zuständigkeiten jedoch zum Problem werden“, sagt Peitz. So berichteten Verbraucher bei der Umfrage beispielsweise von nicht weitergegebenen Daten, falschen Auskünften oder davon, bei Fragen von einem Unternehmen zum anderen verwiesen zu werden.

Generell war die Kommunikation einer der Hauptkritikpunkte der Befragten. Bemängelt wurden insbesondere fehlende Informationen, schlecht erreichbare Hotlines sowie die kurzfristige Ankündigung der Vor-Ort-Termine. „Laut Gesetz sind die Netzbetreiber eigentlich verpflichtet, die Termine mindestens drei Wochen vorher anzukündigen“, erläutert Peitz. Offenbar werde diese Frist jedoch regelmäßig unterschritten.

Verbraucher klagen über Verzögerungen und Zusatztermine

In der Regel soll jeder betroffene Haushalt zweimal von einem Monteur aufgesucht werden – zunächst zur Erfassung der Geräte, später dann für deren Umrüstung. Allerdings zeigte die Umfrage, dass die Anpassung in der Praxis nicht immer beim ersten Versuch gelang. Die Folge: weitere Termine, ein hoher zeitlicher Aufwand und teils ungeklärte Haftungsfragen. Zudem ließen die Probleme aus Sicht der Kunden teilweise erhebliche Zweifel am Vorgehen der Monteure aufkommen. Auch in Branchenkreisen war die Qualifikation einiger Fachkräfte in der Vergangenheit bereits kritisiert worden.

„Insgesamt zeigen die Ergebnisse aus unserer Sicht, dass das Thema Gasumstellung in vielen Unternehmen erst am Anfang steht und es daher oft noch Verbesserungsbedarf gibt“, sagt Peitz. Dies gelte für die Schulung der Monteure genauso wie für die Kommunikation mit den Kunden und die Organisation der Termine. Wichtig sei, nun schnell zu handeln: „In den nächsten Jahren wird die Zahl der umzustellenden Geräte stark ansteigen. Sollten sich die Abläufe bis dahin nicht überall eingespielt haben, kann dies zu erheblichen Akzeptanzproblemen führen“, so Peitz.

icons-pfeil-blau-15 Download:

Die komplette Untersuchung mit zahlreichen Beispielen und Zitaten finden Sie hier.

Hintergrund: Bis zu sechs Millionen Geräte betroffen

Die Umstellung der Gasversorgung ist nötig, weil in Deutschland bislang zwei unterschiedliche Erdgassorten genutzt werden: L-Gas und H-Gas. Da die Förderung von L-Gas stark zurückgeht, sollen bis 2029 alle deutschen Gasnetze auf H-Gas umgestellt werden. Bundesweit sind davon laut Schätzungen bis zu sechs Millionen Geräte betroffen. Die Kosten werden über eine Umlage auf alle Gaskunden verteilt. Niedersachsen ist eines der ersten Bundesländer, in denen die sogenannte Marktraumumstellung umgesetzt wird – erste Pilotprojekte starteten hier bereits 2015.

Stand: 21. August 2019

Print Friendly