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Überblick: Die wichtigsten Ökostrom-Labels

Wer sich für den Bezug von Ökostrom interessiert, findet in so genannten Ökostrom-Labels eine wichtige Orientierungshilfe: Die Zertifikate garantieren nicht nur, dass der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt, sondern weisen zugleich nach, dass mit dem Bezug des Stroms auch der Ausbau der Erneuerbaren unterstützt wird. Wie dieser zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt wird, ist allerdings von Label zu Label sehr unterschiedlich. In unserem Überblick zeigen wir, welche Ökostrom-Zertifikate empfehlenswert sind.

Die Idee hinter den Ökostrom-Labels ist im Grunde sehr einfach: Sie dienen als eine Art Gütesiegel, das nur unter bestimmten Bedingungen vergeben wird. Auf diese Weise sollen Verbraucher hochwertige Ökostrom-Produkte leichter erkennen und von Tarifen ohne ökologischen Mehrwert unterscheiden können. Anders als beispielsweise bei Bio-Lebensmitteln gibt es jedoch kein staatliches Label mit klaren Kriterien. Somit definiert jeder Herausgeber selbst, was aus seiner Sicht guten Ökostrom ausmacht. Die Kriterien für die Label-Vergabe sind daher sehr unterschiedlich, werden immer wieder überarbeitet und mitunter kontrovers diskutiert.

Verschiedene Modelle, um Umweltnutzen sicherzustellen

Das wichtigste Kriterium, das bei einem Vergleich der Zertifikate betrachtet werden sollte, ist natürlich zunächst die Frage, wie die verschiedenen Labels den zusätzlichen Umweltnutzen eines Ökostrom-Tarifs sicherstellen. Dabei lässt sich grob zwischen zwei Ansätzen unterscheiden: dem so genannten Fondsmodell, bei dem ein bestimmter Förderbetrag pro Kilowattstunde Strom in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließt, und der so genannten Neuanlagenquote, die für einen Teil der Erzeugungsanlagen ein bestimmtes Alter vorsieht.

Die Idee hinter diesem Alterskriterium: Dadurch dass die Anlagen, aus denen der Ökostrom stammt, ein bestimmtes Alter nicht überschreiten dürfen, soll eine kontinuierliche Nachfrage nach Strom aus neuen Anlagen und damit ein kontinuierlicher Investitionsanreiz geschaffen werden. Welches Alter für die Anlagen genau vorgesehen ist, ist von Label zu Label verschieden. Auch bei der genauen Ausgestaltung des Fondsmodells zeigen sich Unterschiede, konkret betrifft dies die Höhe des Förderbetrags und die Art der geförderten Projekte.

Da die genaue Herkunft des Stroms bzw. die unterstützten Projekte bei der Vergabe der Labels also von großer Bedeutung sind, zeichnet sich ein gutes Label aus Sicht der Verbraucherzentrale Niedersachsen auch dadurch aus, dass den Verbrauchern im Internet Informationen zu genau diesen Punkten bereitgestellt werden. Bei der detaillierten Bewertung der Labels weiter unten auf dieser Seite findet sich daher stets die Frage „Kann man sich auf der Website des Labels über die geförderten Projekte bzw. die Herkunftsanlagen informieren?“. Weiterhin ist es im Sinne der Transparenz wünschenswert, dass Verbraucher die genauen Vergabekriterien auf der Website der Anbieter einsehen können, dass die Einhaltung der Kriterien von unabhängigen Stellen überprüft wird und dass zur Kennzeichnung des Labels ein Logo gewählt wurde, das einen klaren Wiedererkennungswert hat und somit keine Verwechslungsgefahr mit anderen Ökostrom-Zertifikaten besteht.

Herkunftsnachweise können zur „Umetikettierung“ führen

Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Bewertung der Labels ist die Frage, ob ein Energieversorger für seine Ökostrom-Kunden tatsächlich Strom aus erneuerbaren Erzeugungsanlagen einkauft, das heißt, ob ein direkter Liefervertrag zustande kommt. Hintergrund dieser Überlegung ist der Handel mit so genannten Herkunftsnachweisen. Herkunftsnachweise sind ein wichtiger Bestandteil des Zertifizierungsprozesses, weil sie nachweisen, dass eine bestimmte Menge Strom tatsächlich aus erneuerbaren Energien stammt und in welcher Anlage der Strom produziert wurde. Allerdings können Herkunftsnachweise auch getrennt von der dazugehörigen Strommenge gehandelt werden – der ökologische Mehrwert des Stroms wird also sozusagen abgespalten und einzeln vermarktet, sodass der ursprüngliche Grünstrom dann nur noch als Graustrom ins Netz eingespeist wird. Aus ökologischer Perspektive ist gegen diese Trennung grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings hat sie natürlich zur Folge, dass der separat gehandelte Umweltnutzen letztlich mit Strom aus anderen Quellen in Verbindung gebracht wird. Im Extremfall kann das bedeuten, dass ein Ökostrom-Anbieter seinen Strom ausschließlich bei Kohle- und Atomkraftwerken bezieht, ihn dank der Herkunftsnachweise jedoch als Ökostrom kennzeichnen darf.

Für viele Kunden ist diese „Umetikettierung“ mit dem Grundgedanken des Ökostroms nicht vereinbar. Rein physikalisch macht es zwar keinen Unterschied, ob ein direkter Liefervertrag zwischen einem Ökostrom-Anbieter und einem Betreiber von erneuerbaren Erzeugungsanlagen zustande kommt, da der Grünstrom ohnehin nicht direkt zum Verbraucher transportiert werden kann, sondern im allgemeinen Strommix aufgeht (dem „Strom-See“, wie es häufig heißt), allerdings stellt sich natürlich die Frage der Glaubwürdigkeit. Zudem kann es durch den getrennten Handel von Herkunftsnachweisen vorkommen, dass Ökostrom-Kunden mit ihren Zahlungen indirekt die Betreiber von fossilen Kraftwerken unterstützen, da ihr Anbieter sich dort mit Strom eindeckt. Besteht dagegen eine direkte Lieferbeziehung zwischen den Stromversorgern und den Betreibern von erneuerbaren Erzeugungsanlagen, kommen die Einnahmen ausschließlich den erneuerbaren Energien zugute.

Weitere Kriterien in der Diskussion

Als weitere Kriterien für die Bewertung von Ökostrom-Labels werden unter anderem die Umweltverträglichkeit der Erzeugungsanlagen während des Betriebs, die Gleichmäßigkeit, mit der der Ökostrom im Laufe eines Jahres ins Netz eingespeist wird („Gleichzeitigkeit“), die an der Entwicklung der Vergabekriterien beteiligten Personen sowie mögliche Verflechtungen zwischen den Ökostrom-Anbietern und der Kohle- bzw. Atomindustrie diskutiert. All diese Punkte haben jedoch gemeinsam, dass sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr schwer vergleichbar sind, da die Anforderungen der einzelnen Labels sehr unterschiedlich ausgestaltet sind bzw. es durchaus Wege gibt, diese zu umgehen. Eine wirkliche Orientierung für den Verbraucher bieten diese Ansätze aktuell also nicht. In der folgenden Übersicht zu den einzelnen Labels werden daher nur die weiter oben erläuterten Kriterien berücksichtigt.

 

Abschließend noch eine Vorbemerkung zur Einordnung der Labels: Ausschlaggebend für die Bewertung in unserer Übersicht ist in erster Linie der zusätzliche Umweltnutzen. Die weiteren Kriterien fließen zwar mit gewissen Abstrichen ebenfalls in das Fazit ein, dienen aber letztlich vor allem der Information, damit Stromkunden einen detaillierten Überblick bekommen und am Ende selbst entscheiden können, welches Label am besten zu ihren Wünschen passt.

1. Grüner Strom

gruener-strom-labelDas Grüner-Strom-Label wird bereits seit 1998 vergeben und ist damit das älteste Ökostrom-Label Deutschlands. Träger des Vereins Grüner Strom Label e.V. sind sieben gemeinnützige Umwelt- und Verbraucherverbände sowie Friedensinitiativen (darunter der BUND, der NABU und EUROSOLAR).

Das Grüner-Strom-Label basiert auf einem Fondsmodell. Der Förderbetrag liegt bei einem Cent pro Kilowattstunde (kWh) Strom und ist damit höher als bei allen anderen Zertifikaten. Bei einem Stromverbrauch von mehr als 10.000 kWh Stunden pro Jahr sinkt der Förderbetrag auf 0,4 Cent; dies ist für normale Haushaltskunden mit einem durchschnittlichen Verbrauch jedoch nicht weiter relevant.

Gefördert werden sowohl neue Anlagen als auch innovative Energieprojekte, beispielsweise Speicher und intelligente Netze. Der Schwerpunkt der Förderung liegt auf Projekten im Inland, um die Energiewende in Deutschland voranzutreiben.

Optional können sich Stromanbieter im Rahmen der Zertifizierung auch weitere Eigenschaften der Stromlieferung bescheinigen lassen. Beispielsweise kann mit dem Label kenntlich gemacht werden, aus welchen regionalen Kraftwerken der Versorger seinen Strom bezieht oder welche Anlagen ihm selbst gehören.

Auf einen Blick:

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?Förderbetrag von 1 Cent/kWh
Kann man sich auf der Website über die geförderten Projekte informieren?Ja, Landkarte mit fast allen in Deutschland geförderten Anlagen sowie ausführliche Beschreibung von Beispielprojekten im In- und Ausland
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Ja, hier
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Ja
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Ja (ZSW)
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Ja
FazitSehr empfehlenswert

2. ok-power

Das ok-power-Label wird vom gemeinnützigen Verein EnergieVision e.V. vergeben, dessen Gründungsmitglieder der WWF, die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sowie das Öko-Institut Freiburg sind. Für die Zertifizierung gibt es drei verschiedene Modelle, die so konzipiert sind, dass sie einen etwa gleichwertigen Beitrag zur Energiewende leisten sollen.

Das so genannte Händlermodell setzt auf eine Neuanlagenquote: Der Strom muss zu einem Drittel aus Anlagen kommen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Bei einem weiteren Drittel des Grünstroms dürfen die Anlagen nicht älter als zwölf Jahre sein.

Beim Initiierungsmodell wird der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien durch das Engagement des Ökostrom-Anbieters erreicht: Die Lieferanten sind verpflichtet, sich an der Planung, Errichtung oder Finanzierung von Anlagen in Deutschland zu beteiligen. Dabei ist der Umfang der Initiierung an den Stromverbrauch der Kunden gekoppelt: Innerhalb von fünf Jahren muss durch selbst initiierte regenerative Anlagen so viel Strom erzeugt und ins Stromnetz eingespeist werden, dass die Menge 50 Prozent des Stromverbrauchs der Neukunden entspricht. Auch für Bestandskunden gibt es entsprechende Regelungen, hier sinkt der Anteil allerdings auf 4 Prozent des Stromverbrauchs.

Neu geschaffen wurde 2015 das so genannte Innovationsfördermodell (Veröffentlichung der Zertifikate ab 2016). Dabei handelt es sich um eine Art Fondsmodell, jedoch mit der Besonderheit, dass der Förderbeitrag in Höhe von 0,2 bis 0,5 Cent pro Kilowattstunde ausschließlich in innovative Projekte außerhalb der Stromerzeugung fließt. Gefördert werden Geschäftsmodelle, die die Energiewende in besonderem Maße voranbringen, jedoch aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit bisher noch nicht umgesetzt werden konnten, beispielsweise Effizienzmaßnahmen oder Speichertechnologien. Die genaue Höhe des Förderbetrags ist gestaffelt nach dem Verbrauch der einzelnen Kunden. Für normale Haushaltskunden wird der Betrag in aller Regel bei 0,5 Cent je Kilowattstunde Strom liegen; zu einer Reduzierung des Förderbetrags kommt es erst bei einem Jahresverbrauch von mehr als 20.000 Kilowattstunden.

Hintergrund: Kriterien von Grüner Strom und ok-power werden auch bei EcoTopTen aufgegriffen

Gelegentlich werden Ökostrom-Produkte auch mit dem Hinweis beworben, dass sie auf der EcoTopTen-Liste des Freiburger Öko-Instituts genannt werden. Das Öko-Institut nutzt diese Liste, um ökologische Spitzenprodukte zu kennzeichnen. Beim Ökostrom basieren die Bewertungskriterien auf dem Fondsmodell von Grüner Strom und dem Händler- bzw. Initiierungsmodell von ok-power; hinzu kommen weitere Kriterien wie der Preis und die Mindestvertragslaufzeit. Auch wenn es sich bei der EcoTopTen-Liste nicht um ein klassisches Label handelt, sind die aufgeführten Tarife also empfehlenswert.

Auf einen Blick:

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?a) Neuanlagenquote
b) Initiierung von Neuanlagen durch Stromanbieter
c) Förderbetrag von 0,5 Cent/kWh für innovative Projekte
Kann man sich auf der Website über die Anlagen, aus denen der Strom stammt, bzw. die geförderten Projekte informieren?Ja, umfassende Übersicht über die Herkunftsanlagen; geförderte Projekte werden beispielhaft dargestellt
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Ja, hier
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Ja
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Ja (Gutachter können hier eingesehen werden)
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Nein
FazitEmpfehlenswert

3. TÜV NORD

pfeil_mehr  Wurde ein Ökostrom-Produkt vom TÜV zertifiziert, sollten Verbraucher stets ganz genau hinschauen: Auf dem Markt existieren unterschiedliche Siegel, die sich stark voneinander unterscheiden. So geben sowohl der TÜV NORD, der TÜV SÜD als auch der TÜV Rheinland Zertifikate heraus. Hinzu kommt, dass die einzelnen TÜV-Gesellschaften teilweise nach mehreren Standards zertifizieren – das heißt, ein und dieselbe Organisation stellt verschiedene Labels aus, die auf unterschiedlichen Kriterien basieren. Zu erkennen ist der jeweilige Standard an einem kleinen weißen Schriftzug im unteren Bereich des Labels.

 

Zertifikat TÜV NORDBei den Zertifikaten des TÜV NORD findet sich in diesem Bereich des Siegels beispielsweise in aller Regel der Hinweis „Zertifizierung gemäß TN-Standard A75-S026-1“ (siehe Grafik links). Dieser Standard garantiert, dass mindestens ein Drittel des Stroms aus Anlagen stammt, die nicht älter als sechs Jahre sind, oder dass ein Förderbetrag von 0,25 Cent pro kWh in den Bau neuer Anlagen investiert wird. Ein zusätzlicher Umweltnutzen ist somit vorhanden.

Anders sieht die Situation aus, wenn auf dem Label der Schriftzug „Freiwillige Zertifizierung gemäß VdTÜV Standard 1304“ zu erkennen ist. Grundlage für die Zertifizierung ist in diesem Fall nämlich lediglich eine eher vage gehaltene Basisrichtlinie – ein ökologischer Mehrwert ist somit nicht garantiert. Falls das Zertifikat online einsehbar ist, könnte sich im Einzelfall allerdings ein genauer Blick auf bescheinigten Zusatzeigenschaften lohnen: Unter Umständen werden an dieser Stelle doch noch Kriterien genannt, die auf einen zusätzlichen Umweltnutzen schließen lassen (z.B. ein fest definierter Förderbetrag).

Der Standard 1304 war viele Jahre die einzige Zertifizierungsgrundlage des TÜV NORD; das Modell A75-S026-1 wurde erst im Jahr 2011 eingeführt. Aufgrund dieser Entwicklung wird das Ökostrom-Label des TÜV NORD in älteren Publikationen häufig sehr kritisch gesehen. Inzwischen gibt es mit dem Standard A75-S026-1 aber durchaus eine Variante, die zu empfehlen ist.

Auf einen Blick (A75-S026-1):

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?a) Neuanlagenquote
b) Förderbetrag von 0,25 Cent/kWh
Kann man sich auf der Website über die Anlagen, aus denen der Strom stammt, bzw. die geförderten Projekte informieren?Nein
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Ja, hier
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Nein
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Nein, die Kontrolle erfolgt durch Prüfer im eigenen Haus
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Nein
FazitBedingt empfehlenswert

4. TÜV SÜD

Tuev Sued EE01Der TÜV SÜD verwendet für die Zertifizierung von Ökostrom zwei unterschiedliche Standards (EE01 und EE02). Empfehlenswert ist lediglich die Variante EE01 (siehe Beispiel links). Der Standard EE02 sieht zwar wie viele andere Labels auch einen Förderbetrag für den Bau neuer Anlagen vor, allerdings ist die genaue Höhe nicht festgelegt, sodass es fraglich erscheint, ob ein zusätzlicher Umweltnutzen tatsächlich immer gewährleistet werden kann.

Beim Standard EE01 gibt es dagegen eine klare Regelung bezüglich des Förderbeitrags: 0,2 Cent je Kilowattstunde fließen in den Bau neuer Anlagen. Alternativ kann der Stromanbieter den zusätzlichen Umweltnutzen auch über eine Neuanlagenquote (30 Prozent aus Anlagen, die nicht älter als drei Jahre sind) oder einen so genannten Technologiemix nachweisen. Letzteres bedeutet, dass der Strom zu einem festgelegen Anteil von unterschiedlichen Ökostrom-Anlagen bezogen werden muss. Auf diese Weise soll ein gezielter Neubau, zum Beispiel von Biogas- oder Windkraftanlagen, erreicht werden.

Auch beim TÜV SÜD besteht die Möglichkeit, sich weitere Produktmerkmale wie beispielsweise die Nutzung regionaler Anlagen, bescheinigen zu lassen.

Auf einen Blick (EE01):

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?a) Neuanlagenquote
b) Förderbetrag von 0,2 Cent/kWh
c) Technologiemix
Kann man sich auf der Website über die Anlagen, aus denen der Strom stammt, bzw. die geförderten Projekte informieren?Nein
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Ja, hier
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Nein
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Nein, die Kontrolle erfolgt durch Prüfer im eigenen Haus
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Nein
FazitBedingt empfehlenswert

5. TÜV Rheinland

Label TÜV RheinlandAnders als bei den Labels der anderen beiden TÜV-Gesellschaften gibt es beim TÜV Rheinland nur einen Zertifizierungsstandard. Dieser basiert jedoch genau wie die Variante 1304 des TÜV NORD auf einer vagen Basisrichtlinie, die die Förderung der erneuerbaren Energien zwar grundsätzlich vorsieht, jedoch nicht genau festlegt, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Auch hier gilt zwar, dass auf der Zertifizierungsbescheinigung im Einzelfall weitergehende Kriterien vermerkt sein können, ein zusätzlicher Umweltnutzen ist jedoch nicht grundsätzlich garantiert.

Auf einen Blick:

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?Keine klar definierten Kriterien
Kann man sich auf der Website über die Anlagen, aus denen der Strom stammt, bzw. die geförderten Projekte informieren?Nein
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Ja, aber sehr versteckt und nicht klar als Kriterienkatalog zu erkennen
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Ja
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Nein, die Kontrolle erfolgt durch Prüfer im eigenen Haus
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Nein
Fazit Nicht empfehlenswert

6. KlimaINVEST Ökostrom

Label KlimaINVEST Oekostrom PLUSDas Zertifikat KlimaINVEST Ökostrom PLUS zählt zu den neueren Angeboten auf dem Markt. Es wird seit dem Jahr 2009 von der Hamburger Agentur KlimaINVEST Green Concepts GmbH vergeben und basiert entweder auf einer Neuanlagenquote (33 Prozent aus Anlagen, die nicht älter als sechs Jahre sind) oder auf einem Förderbeitrag von 0,25 Cent pro Kilowattstunde.

Was den zusätzlichen Umweltnutzen angeht, ist das Label also grundsätzlich mit den anderen Siegeln vergleichbar. Kritisch zu sehen ist allerdings die große Verwechslungsgefahr mit zwei ähnlichen Zertifikaten, die ebenfalls von der KlimaINVEST Green Concepts GmbH vergeben werden: den Nachweisen KlimaINVEST Ökostrom und KlimaINVEST Ökostrom RE.

Während sich die drei Kennzeichnungen dem Namen nach nur minimal unterscheiden, gibt es inhaltlich erhebliche Unterschiede: So handelt es sich bei dem Zertifikat KlimaINVEST Ökostrom eher um eine Art Herkunftsnachweis, der lediglich garantiert, dass der zertifizierte Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Beim Siegel KlimaINVEST Ökostrom RE ist dagegen zwar grundsätzlich ein zusätzlicher Umweltnutzen durch Investitionen in erneuerbare Energien vorhanden, der (Mindest-)Förderbetrag ist mit lediglich 0,025 Cent pro Kilowattstunde jedoch so gering, dass ein wirklicher ökologischer Mehrwert bezweifelt werden muss.

Verbraucher, die sich mit einem Grünstrom-Tarif beschäftigen, der das Zertifikat KlimaINVEST Ökostrom trägt, sollten daher stets ganz genau darauf achten, ob im Label noch ein kleines Pluszeichen zu erkennen ist (siehe Grafik oben). Nur in diesem Fall ist sichergestellt, dass es sich wirklich um ein Produkt mit einem ökologischen Mehrwert handelt.

Auf einen Blick (Ökostrom PLUS):

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?a) Neuanlagenquote
b) Förderbetrag von 0,25 Cent/kWh
Kann man sich auf der Website über die Anlagen, aus denen der Strom stammt, bzw. die geförderten Projekte informieren?Ja, Anlagen werden jedoch nur beispielhaft genannt; Förderprojekte fehlen ganz
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Nein
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Nein
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Ja (TÜV NORD)
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Nein
FazitBedingt empfehlenswert

7. Renewable PLUS

RenewablePLUSDas Label RenewablePLUS existiert ebenfalls seit dem Jahr 2009 und wird von der Bischoff & Ditze Energy GmbH vergeben. Das Unternehmen wählt bei der Zertifizierung bewusst einen anderen Weg als andere Label-Herausgeber und will den zusätzlichen Umweltnutzen über Vorgaben für die Betreiber von erneuerbaren Erzeugungsanlagen sicherstellen. Die Idee dahinter: Der stetige Ausbau der erneuerbaren Energien soll nicht indirekt über ein Alterskriterium für die Anlagen erreicht werden, sondern die Betreiber der Anlagen, aus denen der Ökostrom bezogen wird, werden direkt verpflichtet, Investitionen in einer bestimmten Höhe zu tätigen.

Als Richtwert für die Investitionen dient der Preis, den die Anlagenbetreiber beim Verkauf von Herkunftsnachweisen (HKN) erzielt haben. Konkret heißt es in den Kriterien von RenewablePLUS, dass die Investitionen die Einnahmen durch den Verkauf der Herkunftsnachweise übersteigen müssen. Das Problem daran: Da es europaweit sehr viele regenerative Erzeugungsanlagen gibt, können Herkunftsnachweise bereits für einen sehr geringen Betrag erworben werden. Die preisliche Untergrenze markieren dabei in der Regel die Nachweise aus alten Wasserkraftwerken in Skandinavien. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2014 schwankte der Preis für solche Dokumente in den vergangenen Jahren etwa zwischen 0,01 und 0,05 Cent pro Kilowattstunde Strom.

Für die Bewertung des Labels RenewablePLUS bedeutet das: Das Kriterium, Investitionen zu tätigen, die die Erlöse aus den Herkunftsnachweisen übersteigen, können Anlagenbetreiber also bereits mit sehr geringen Investitionen erfüllen. Ein wirklicher ökologischer Mehrwert ist daher nicht sichergestellt, sodass das Label insgesamt nicht zu empfehlen ist.

Auf einen Blick:

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?Anlagenbetreiber müssen Investitionen tätigen, die Einnahmen durch den Verkauf von HKN übersteigen
Kann man sich auf der Website über die geförderten Projekte informieren?Ja, aber nur über einige Beispielprojekte
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Ja, hier
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Ja
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Ja (TÜV Rheinland)
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Nein
FazitNicht empfehlenswert

8. HKN NEU100

HKN NEU100Neben RenewablePLUS vergibt die Bischoff & Ditze Energy GmbH noch ein weiteres Label, das den Namen HKN NEU100 trägt. Dieses Zertifikat ist ebenfalls nicht zu empfehlen, weil es den Erwerb von Herkunftsnachweisen zulässt, die aus bereits geförderten Anlagen stammen. Das heißt, die Anlagen können sich in Ländern befinden, in denen der Bau von erneuerbaren Erzeugungsanlagen durch ein staatliches Fördersystem unterstützt wird. Ein Anreiz für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ist damit bereits vorhanden. Die zusätzlichen Erlöse durch die Vermarktung der Herkunftsnachweise können bei Investitionsentscheidungen also nur eine sehr geringe Rolle spielen.

Hintergrund: Genau wie Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert, gibt es auch in anderen Ländern eigene Fördersysteme. In Deutschland ist es verboten, dass Strom, der bereits eine Förderung über das EEG erhält, zusätzlich als Ökostrom vertrieben wird („Doppelvermarktungsverbot“). Für im Ausland geförderte Anlagen können jedoch teilweise Herkunftsnachweise ausgegeben werden, sodass in solchen Fällen eine doppelte Unterstützung möglich ist.

Auf einen Blick:

Wie wird der zusätzliche Umweltnutzen sichergestellt?Neuanlagenquote von 100 Prozent, aber: Strom stammt aus bereits geförderten Anlagen
Kann man sich auf der Website über die Anlagen, aus denen der Strom stammt, informieren?Ja, aber nur beispielhaft
Sind die Kriterien für die Label-Vergabe auf der Website einsehbar?Ja, hier
Ist das Logo eindeutig?
(keine Verwechslungsgefahr)
Ja
Wird die Einhaltung der Kriterien von externen Stellen überpüft?Ja (TÜV Rheinland)
Ist die Verwendung von Herkunftsnachweisen an einen Liefervertrag gekoppelt?Nein
FazitNicht empfehlenswert

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Weitere Informationen zu den verschiedenen Labels sowie eine detaillierte Bewertungsmatrix finden Sie in unserem Dossier zum Thema Ökostrom.

letzte Aktualisierung: 22. März 2016

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