Steckdosen

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Wie finde ich ein passendes Angebot?

Der erste Schritt auf dem Weg zu einem passenden Angebot ist eine realistische Einschätzung des eigenen Verbrauchs. Denn: Nur mit diesem Wissen lassen sich die Preise für Strom und Gas sinnvoll vergleichen.

Schauen Sie sich daher zuerst Ihre letzte Jahresabrechnung an. Überprüfen Sie zudem, welchen Preis (Grundpreis plus Preis pro Kilowattstunde (kWh)) Sie aktuell bei Ihrem Anbieter zahlen. Der Preis kann sich seit der letzten Jahresabrechnung bereits wieder verändert haben.

Anschließend können Sie verschiedene Vergleichsangebote einholen. Eine praktisch unverzichtbare Informationsquelle sind dabei inzwischen Tarifrechner im Internet: Auf Portalen wie beispielsweise Verivox, Check24 oder TopTarif können Kunden ihren jährlichen Verbrauch und ihren Wohnort eingeben und sich so die günstigsten Anbieter anzeigen lassen. Dabei sollte man sich allerdings darüber im Klaren sein, dass die Vergleichsportale keineswegs so unabhängig sind, wie sie in der Öffentlichkeit mitunter dargestellt werden, sondern eigene Geschäftsinteressen verfolgen. In der Regel finanzieren sich die Portale über Werbung und Anbieter-Provisionen.

Bei Vergleichsportalen unbedingt auf Voreinstellungen achten

Verbraucher sollten die in den Tarifrechnern ermittelten Preise daher immer vergleichen – am besten sowohl mit den Ergebnissen anderer Vergleichsportale als auch mit den Angaben auf der Website des jeweiligen Versorgers. Zudem sollte beachtet werden, dass in den Tarifrechnern oftmals bestimmte Auswahlkriterien voreingestellt sind, die für den Kunden nicht unbedingt vorteilhaft sind, sich aber erst auf den zweiten Blick unter den „Erweiterten Einstellungen“ finden lassen. Möchte ein Nutzer nicht, dass die Suchergebnisse anhand der voreingestellten Merkmale gefiltert werden, muss er die Suchmaske entsprechend anpassen und Häkchen setzen bzw. deaktivieren.

Auf folgende Filterkriterien sollten Sie besonders achten:

1. Bonuszahlungen

Viele Energieversorger versuchen, Kunden mit speziellen Bonuszahlungen von ihrem Angebot zu überzeugen. Bei der Namensgebung sind sie dabei durchaus kreativ. Doch egal ob nun von einem Neukundenbonus, einem Treuebonus oder einem Wechselbonus die Rede ist – in der Regel verbergen sich dahinter einmalige Vergünstigungen, die nur im ersten Vertragsjahr gewährt werden. Ab dem zweiten Jahr wird der Gesamtpreis somit deutlich teurer. Auf vielen Vergleichsportalen werden die Bonuszahlungen jedoch beim Jahrespreis berücksichtigt und erschweren somit die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Wer das vermeiden möchte, muss Einstellungen wie „Einmaligen Bonus in die Kosten einrechnen“ gezielt deaktivieren.

2. Vorkasse- und Pakettarife

Angebote mit Vorauszahlungen sollten Verbraucher unbedingt vermeiden. Wird ein Energieversorger insolvent, wie in der Vergangenheit beispielsweise die Unternehmen Teldafax und Flexstrom, besteht die Gefahr, dass Kunden nichts oder nur wenig von ihrem Geld zurückerhalten.

Ebenfalls Vorsicht ist bei so genannten Pakettarifen geboten. Diese wirken auf den ersten Blick oft günstig, weil sie für eine bestimmte Abnahmemenge einen Pauschalpreis festlegen. Tatsächlich kommt dies jedoch einer Abnahmeverpflichtung für eine bestimmte Energiemenge gleich: Wird weniger verbraucht, gibt es in der Regel kein Geld zurück; fällt der Verbrauch dagegen höher aus, muss teilweise sehr viel nachgezahlt werden. Sinnvoll sind Pakettarife daher nur für Kunden, die ihren Verbrauch sehr genau einschätzen können. Mitunter werden Vorauszahlungs- und Pakettarife auch kombiniert angeboten.

3. Preisgarantien

Damit der neue Energieversorger den vermeintlich so günstigen Preis nicht bereits kurz nach dem Anbieterwechsel erhöhen kann, sollten Verbraucher darauf achten, dass der Preis für eine bestimmte Laufzeit festgeschrieben ist. Die Preisgarantie sollte auf jeden Fall die Mindestvertragslaufzeit abdecken. Eine darüber hinausgehende Preisbindung ist dagegen nicht empfehlenswert, da sich die Entwicklung auf den Energiemärkten nur schwer voraussagen lässt: Steigen die Preise, profitieren Verbraucher von zuvor festgeschriebenen Preisen, sinken sie dagegen, erweist sich die frühe Festlegung eher als Nachteil.

Wichtig ist zudem ein Blick auf die Details der Preisgarantie, da diese im Kleingedruckten häufig eingeschränkt wird. Anbieter behalten sich dann beispielsweise Preiserhöhungen aufgrund gestiegener Steuern oder sonstiger Abgaben und Umlagen (z.B. EEG-Umlage) vor.

4. Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen

Um auf aktuelle Preisentwicklungen reagieren zu können, sollten sich Verbraucher nicht zu lange an einen Anbieter binden. Empfehlenswert sind Vertragslaufzeiten von sechs bis maximal zwölf Monaten. Möchten Sie eine längere Grundlaufzeit vereinbaren, sollten Sie darauf achten, dass Ihnen für den gesamten Zeitraum eine Preisgarantie gewährt wird.

Zudem ist es wichtig, automatische Vertragsverlängerungen im Blick zu behalten: Bei einer Mindestlaufzeit von einem Jahr sollte sich der Vertrag nach Ablauf des ersten Jahres immer nur um einen Monat verlängern. Auch bei der Kündigungsfrist ist ein Zeitraum von einem Monat empfehlenswert. Kündigungsfristen, die mehr als drei Monate betragen, sind auf jeden Fall unzulässig.

Stand: 19. Juni 2015

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